“Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes"

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Deutschland, 2017
Komödie


Länge: 104 Minuten
FSK: ab 0; f

Regie: Julian Radlmaier
Buch: Julian Radlmaier
Kamera: Markus Koob
Schnitt: Julian Radlmaier
Darsteller: Julian Radlmaier (Julian), Deragh Campbell (Camille), Kyung-Taek Lie (Hong), Beniamin Forti (Sancho), Ilia Korkashvili (Mönch), Bruno Derksen (Bruno), Anton Gonopolski (Anton), Johanna Orsini-Rosenberg (Elfriede Gottfried), Mex Schlüpfer (Bauer), Natia Bakhtadze (Natia)

Julian kommt frisch von der Filmhochschule und hat trotzdem schon keine Flausen mehr im Kopf: Den Kapitalismus, da ist sich der Möchtegern-Kommunist sicher, kann man nicht überwinden. Denn dafür ist der viel zu komplex geworden! Und das ist vor allem auch deswegen blöd, weil Julian, dieser bürgerliche Windhund, als echter Aktivist viel bessere Chancen bei Camille hätte. Ohne Lösung fürs Dilemma und vor allem ohne genug Geld in der Tasche nimmt der Jungregisseur Arbeit im Havelland an. Auf der Apfelplantage trifft er Sancho und Hong, die man im Museum gefeuert hat, nachdem ein Dürer-Bild und ein Feuerlöscher gestohlen wurden – dummerweise in ihrer Schicht. Beim anstrengenden Obstpflücken spüren Julian, Sancho und Hong in den eigenen Knochen, wie anstrengend der Kapitalismus ist. Immerhin der weise Idiot in Mönchskutte macht ihnen auf der Plantage ein bisschen Hoffnung, erzählt von einem „Kommunismus ohne Kommunisten“ in Italien.

Um einer Frau zu gefallen, tarnt ein angehender Filmemacher seinen Hartz-IV-Job auf einer Apfelplantage in der brandenburgischen Provinz als Recherche für ein kommunistisches Filmprojekt. Vor Ort gerät er in eine provisorische Revolution der Erntehelfer gegen die Plantagenbesitzerin. Mit doppelbödigem Humor und vielen Anspielungen entfaltet der spielerische Film ein Panorama unterschiedlicher Milieus, in denen der neoliberale Kapitalismus ebenso zerpflückt wird wie das revolutionäre Pathos. Indem er selbstironisch die Rolle eines „politischen“ Filmemachers hinterfragt, eröffnen sich der Frage nach dem utopischen Potenzial des Kinos neue Räume. - Sehenswert ab 14.