Auf der Suche nach Ingmar Bergmann

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Land / Jahr Deutschland 2018 , Dokumentarfilm, Dokumentarfilm, 98 Minuten
von Margarethe von Trotta, Felix Moeller, Bettina Böhler
Kamera Börres Weiffenbach, Florian Lampersberger, Ton Helge Haack, Schnitt Bettina Böhler
mit Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Mia Hansen-Løve, Carlos Saura, Olivier Assayas u.a.





Ingmar Bergmans DAS SIEBENTE SIEGEL war der Film, der Margarethe von Trotta für das Kino begeisterte und den Wunsch in ihr weckte, selbst Regisseurin zu werden. Jahre später schließt sich der Kreis, als Bergman ausgerechnet von Trottas DIE BLEIERNE ZEIT als einen der Filme benennt, die ihn am meisten geprägt haben. Anlässlich des 100. Geburtstags des schwedischen Regisseurs folgt von Trotta seinen Spuren und offenbart durch ihren sehr persönlichen Blick auf sein Leben völlig überraschende Seiten der genialen Filmikone.

AUF DER SUCHE NACH INGMAR BERGMAN ist eine persönliche, emotionale und cineastische Reise durch das faszinierende Universum der Filmlegende. Neben seltenen Archivaufnahmen und Filmausschnitten sind es vor allem Margarethe von Trottas intensive Gespräche mit Bergmans Familie, Schauspielern und Wegbegleitern, die die facettenreiche Persönlichkeit des Meisters beleuchten.

„ Ich habe mich stets einsam gefühlt in der Welt da draußen und mich deshalb ins Filmemachen geflüchtet. Doch jedes Gefühl einer Zusammengehörigkeit ist Illusion.“

Ingmar Bergman
Ernst Ingmar Bergman wurde am 14. Juli 1918 im schwedischen Uppsala in eine protestantische Pastorenfamilie hinein geboren. Die Erziehung war streng religiös und beeinflusste maßgeblich sein späteres Schaffen. Bergmans Leidenschaft für den Film begann bereits mit neun Jahren, als er bei seinem Bruder 100 Zinnsoldaten gegen einen Filmprojektor eintauschte. Mit 19 Jahren studierte er Literaturgeschichte, beendete das Studium aber nicht und arbeitete im Anschluss als Regisseur für das Theater. Seit 1943 bearbeitete er Drehbücher anderer Autoren für Svensk Filmindustri. Sein erstes Drehbuch DIE HÖRIGE verfilmte 1944 Alf Sjöberg, während Bergman als Regieassistent agierte. Das Theater wurde seine zweite große Leidenschaft. Zwischen 1944 und 1946 leitete Bergman das Stadttheater Helsingborg, darauf die Theater in Göteborg und Malmö. 1960 wechselte er zum Königlich Dramatischen Theater in Stockholm, das er von 1963 bis 1966 leitete. 1946 entstand sein erster Film KRISE. Sein Stil war hauptsächlich von den deutschen Expressionisten und dem italienischen Neorealismus beeinflusst. Der endgültige internationale Durchbruch gelang ihm 1955 mit DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT, welcher im Jahr darauf bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Prix International ausgezeichnet wurde. 1976 wurde Bergman der Steuerhinterziehung angeklagt. Obwohl die Anklage schon bald darauf wieder fallen gelassen wurde, fühlte er sich so gedemütigt, dass er schwor, nie wieder einen Film in Schweden zu drehen. Bergman verließ sein Heimatland und zog ins selbst auferlegte Exil nach München. In Deutschland blieb er trotzdem weiter aktiv, inszenierte bis 1985 am Münchner Residenz-theater und entwickelte unter anderem die Filme HERBSTSONATE (1978) und AUS DEM LEBEN DER MARIONETTEN (1980). 1982 ging er zunächst für begrenzte Zeit in sein Heimatland zurück, um FANNY UND ALEXANDER zu drehen – seinen erfolgreichsten und gleichzeitig letzten Kinofilm, der mit insgesamt vier Oscars® ausgezeichnet wurde. Nach neun Jahren in Deutschland kehrte er 1985 schließlich ganz in seine Heimat zurück. In seiner Karriere drehte Ingmar Bergman mehr als 40 Filme und wurde mit 58 nationalen und internationalen Filmpreisen ausgezeichnet. Die höchste Ehrung wurde Bergman 1998 zuteil, als er in Cannes bei den 50. Internationalen Filmfestspielen zum größten Filmregisseur aller Zeiten gewählt wurde. Die Palme der Palmen nahm stellvertretend für ihn seine Tochter entgegen. Nach seinem letzten Film wandte sich Bergman wieder dem Theater zu. Bis 1995 inszenierte er am Dramaten, dem Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm. Anschließend zog er sich in sein Haus auf der Ostseeinsel Fårö zurück, wo er am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren starb. Im gleichen Jahr nahm die UNESCO das Ingmar-Bergman-Archiv des schwedischen Filminstituts in das Weltdokumentenerbe auf.

„Bergmans Filme haben mich immer begleitet. Doch als ich gefragt wurde, ob ich nicht einen Film über ihn machen wolle, zögerte ich.
Bis ich mich daran erinnerte, dass auch für ihn einer meiner Filme
[Anm. DIE BLEIERNE ZEIT] wichtig war.“

FilmDienst. (die ausführliche Kritik hier)


Margarethe von Trotta
Margarethe von Trotta wurde in Berlin geboren. In den 1960er Jahren zog sie nach Paris, wo sie zum ersten Mal mit der Filmszene in Berührung kam. Zurück in Deutschland besuchte von Trotta parallel zu ihrem Germanistik und Romanistik Studium eine Schauspielschule, für die sie schon bald die Universität verließ. Sie erhielt mehrere Theaterengagements und spielte ab 1967 auch in Film und Fernsehen. Mit bekannten deutschen Regisseuren wie Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder und Herbert Achternbusch wurde Margarethe von Trotta alsbald eine der bekanntesten Schauspielerinnen des Neuen Deutschen Films. Bei einigen von Schlöndorffs Filmen, wie DER FANGSCHUSS (1976), glänzte von Trotta nicht nur als Darstellerin, sondern war auch als Co-Autorin tätig. Bei der Romanadaption von Heinrich Bölls DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975) führte sie gemeinsam mit Schlöndorff Regie. 1977 inszenierte von Trotta ihren ersten eigenen Film DAS ZWEITE ERWACHEN DER CHRISTA KLAGES. In den Folgejahren drehte sie erfolgreiche Kinoproduktionen wie DIE BLEIERNE ZEIT (1981), ROSA LUXEMBURG (1986), DAS VERSPRECHEN (1995), ROSENSTRASSE (2003) und HANNAH ARENDT (2012), die mit
zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Ihre Filme zeigen oftmals starke Protagonistinnen und stehen meist vor einem wichtigen politischen Hintergrund. Bedeutende Motive ihrer Arbeit sind beispielsweise die Wirkung des Politischen auf das Persönliche und umgekehrt. Margarethe von Trotta zählt zu den erfolgreichsten und prominentesten deutschen Regisseurinnen.

 




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