Europaischer Kinotag 2018: A Woman captured

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Ein Dokumentarfilm von Bernadett Tuza-Ritter
89 Minuten, mit Untertiteln!
ÉCLIPSE FILM
UNGARN 2017

Buch, Regie und Kamera von Bernadett Tuza-Ritter
Produziert von Julianna Ugrin und Viki Réka Kiss

Co-Produzenten: Erik Winker und Martin Roelly
Co-Produktionsfirma: CORSO FILM, Köln/Deutschland
Ausführende Produzentin: Bernadett Tuza-Ritter
Editorin: Bernadett Tuza-Ritter
Zusatz-Editorin: Nóra Richter
Beratung Editing: Nanna Frank Møller
Dramaturgie: Bálint Nadas
Tonmischung & Sound Design: Tamás Bohács, Márton Kristóf,
Musik: Csaba Kalotás

Eine Europäerin wird von einer Familie zehn Jahre lang wie eine Sklavin gehalten. Sie ist eines der mehr als 45 Millionen Opfer moderner Sklaverei. Durch die Anwesenheit der Filmemacherin bestärkt, beschließt sie, der unerträglichen Unterdrückung zu entfliehen und ein freier Mensch zu werden.

A WOMAN CAPTURED - EINE GEFANGENE FRAU handelt von Marisch, einer 52-jährigen Ungarin, die ein Jahrzehnt lang einer Familie dient - bei 20-Stunden-Arbeitstagen und ohne Arbeitslohn.
Ihre Unterdrücker konfiszieren ihre Ausweispapiere und sie darf das Haus nur mit ausdrücklicher Erlaubnis verlassen. Sie behandeln sie wie ein Tier, geben ihr nur Essensreste und kein Bett zum Schlafen.
Marisch fristet ihr Dasein in ständiger Angst, träumt jedoch davon, ihr Leben zurückzuerlangen.
Die Präsenz der Kamera hilft ihr zu begreifen, dass sie nicht völlig auf sich allein gestellt ist. Sie beginnt Vertrauen zu fassen; nach zwei Jahren Dreh sammelt sie ihren ganzen Mut zusammen und enthüllt ihren Plan: „Ich werde fliehen.“
Der Film folgt Marischs heroischem Weg zurück in die Freiheit.

REGISSEURIN
BERNADETT TUZA-RITTER ist eine freischaffende ungarische Filmregisseurin und Editorin, spezialisiert auf kreativen Dokumentarfilm und Fiktion. Sie studierte Regie und Editing an der Universität für Theater und Filmkunst in Budapest. 2013 inszenierte sie den Film ‚Cinetrain – Russian Winter‘, der den Publikumspreis beim Vision du Reel Dokumentarfilmfestival gewann. Sie ist Mitglied der HSE und der Ungarischen Filmakademie. Ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm A WOMAN CAPTURED EINE GEFANGENE FRAU feierte 2017 beim IDFA im offiziellen Wettbewerb Premiere. Nach seiner Weltpremiere wurde er für den Wettbewerb abendfüllender Dokumentarfilm beim Sundance Film Festival 2018 ausgewählt und ist somit der erste ungarische abendfüllende Film, der jemals in Sundance im Wettbewerb lief, um genau zu sein im Januar 2018.

REGIEKOMMENTAR
EIN SOZIALER MISSSTAND
Moderne Sklaverei findet statt „wenn eine Person unter der Kontrolle einer anderen Person steht, die Gewalt und Zwang anwendet, um diese Kontrolle zu behalten und der Zweck dieser Kontrolle Ausbeutung ist“ - Kevin Bales, Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender von Free the Slaves (Befreit die Sklaven).
Der Global Slavery Index (Weltweite Erfassung von Sklaverei) aus dem Jahre 2016 schätzt, dass derzeit weltweit 45,8 Millionen Menschen von einer der Ausformungen moderner Sklaverei betroffen sind, 1,2 Millionen davon in Europa. Dies beinhaltet Zwangsarbeit und häusliche Knechtschaft ebenso wie Prostitution.

DER FILM A WOMAN CAPTURED EINE GEFANGENE FRAU folgt über den Zeitraum einiger Jahre dem Leben einer Frau, die von einer Familie zehn Jahre lang als Haussklavin gehalten wurde - in der Form eines beobachtenden, abendfüllenden Dokumentarfilms. Er wurde fast ausschließlich in dem Haus gedreht, in dem sie eingesperrt war.

EIN EINZIGARTIGER ZUGANG
Ich lernte eine Frau kennen, die Eta hieß und stolz darauf war, dass sie Bedienstete hatte. Das Gesicht einer ihrer Bediensteten ging mir nicht aus dem Kopf - Marisch: eine Frau, erst um die 50 Jahre alt, die aussah, als sei sie 70. Ein paar Jahre später sollte ich einen dokumentarischen Kurzfilm mit dem Thema „Ein Tag im Leben einer Person“ für die Uni machen und rief Eta an und fragte, ob ich zu ihr kommen und mit Marisch drehen könne. Sie war einverstanden. Damals war mir nicht klar, dass ich ein Haus betrat, in dem moderne Sklaverei stattfand, da ich das Phänomen nicht wirklich begriff.

IM INNEREN DES HAUSES
Zu Anfang waren alle nett zu mir. Mit der Zeit jedoch begann das Bild zu bröckeln: Gesten der Aggression und Lügen traten auf, Marisch musste Eta bei allem um Erlaubnis fragen... langsam realisierte ich, dass ich es mit Kleinkriminellen zu tun hatte. Marisch bat mich, nicht die Polizei einzuschalten, da sie das nur noch mehr in Schwierigkeiten bringen würde: die ungarische Polizei bietet keinerlei Hilfe oder Schutz (weder physischer oder gesetzlicher Natur) für Betroffene wie sie. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie weiter aufzusuchen - deshalb bat ich um mehr Drehzeit, wofür Eta am Ende sogar noch Geld verlangte.
Ich erzähle die Geschichte von innen heraus. Obwohl es sehr unangenehme und beängstigende Dreharbeiten waren, fühle ich mich zutiefst geehrt, dass ich Marisch kennenlernen durfte und eine in Not geratene Person es mir gestattet hat, ihren Kampf um Würde festzuhalten. Ich glaube, dies wird den Zuschauern helfen, das Konzept häuslicher Sklaverei zu verstehen und mein Film soll ihnen für die Existenz dieses gravierenden sozialen Missstands die Augen öffnen.

DIE AUSSAGE / BOTSCHAFT
Ich bin davon überzeugt, dass dieser Film westliche Zuschauer mit einer sehr unbequemem Angelegenheit konfrontieren wird: der Tatsache, dass Sklaverei in ihrer unmittelbaren Umgebung stattfindet. Sie ist nicht nur ein Dritte-Welt-Problem. Sie passiert überall. Der Ort an dem ich drehte, lag nicht im Verborgenen oder am Rande der Zivilisation - nein, er lag mitten in Europa.
Ich möchte diese Geschichte erzählen, auf das Problem aufmerksam machen und eine breitere Diskussion darüber in Gang setzen. Ich komme aus einem Land in der EU, in dem die meisten Menschen noch nie von diesem Problem gehört haben und es fast keine staatlichen oder nichtstaatlichen Organisationen gibt, die sich auch nur im Entferntesten damit befassen.

KÜNSTLERISCHER ANSATZ
Mein Anliegen war es, dem Publikum die Gefühle der Protagonistin und die erdrückenden Umstände, unter denen sie lebte, näher zu bringen. Die Kamera konzentriert sich auf die
Stimmung und ihren emotionalen Zustand - damit wir verstehen, wie Jahre der menschenunwürdigen Behandlung die Opfer in ein psychologisches Gefängnis sperren.
Die Sklavenhalter-Familie bleibt den ganzen Film über anonym, einzelne Körperteile, ihre Schatten, Stimmen und Gegenstände, die sie umgeben, sind die einzigen Indizien dafür, wer sie sind und wo sie leben. Mein Anliegen war es, diese Geschichte universell darzustellen – dieses Problem existiert überall auf der Welt.

DAS FAZIT
Marischs Geschichte zeichnet das verstörende Bild einer Gesellschaft, die sich ihrer Werte unsicher ist, in der Menschenwürde leicht zu einer Ware verkommt. Sie gibt uns aber auch
Hoffnung, weil sie zeigt, dass, wenn Menschen einander Aufmerksamkeit schenken, dies Leben retten kann. Vor allem aber ist A WOMEN CAPTURED EINE GEFANGENE FRAU die Geschichte einer Ermächtigung, es ist die Geschichte einer Frau, die ein großes Risiko eingeht, flieht und die schrecklichen Dinge, die ihr widerfahren sind, hinter sich lässt.