"STYX"

Zurück zur Startseite

Drama | Deutschland/Österreich 2018 | 95 Minuten
Regie: Wolfgang Fischer
Darsteller:
Susanne Wolff (Rike) – Gedion Oduor Weskesa (Kingsley) – Alexander Beyer (Paul) – Inga Birkenfeld (Marie)

Rike - Ärztin aus Europa, 40 Jahre alt - verkörpert eine westliche Vorstellung von Glück und Erfolg. Sie ist gebildet, selbstbewusst, zielstrebig und engagiert. Rike bestreitet in Köln als Notärztin ihren Alltag, bevor sie ihren Urlaub in Gibraltar antritt. Dort sticht sie alleine mit ihrem Segelboot in See. Ziel ihrer Reise ist die Atlantikinsel Ascension Island. Ihr Urlaub wird abrupt beendet, als sie sich nach einem Sturm auf hoher See in unmittelbarer Nachbarschaft eines überladenen, havarierten Fischerbootes wiederfindet. Mehrere Dutzend Menschen drohen zu ertrinken. Rike folgt zunächst der gängigen Rettungskette und fordert per Funk Unterstützung an. Als ihre Hilfsgesuche unbeantwortet bleiben, die Zeit drängt und sich eine Rettung durch Dritte als unwahr- scheinlich herausstellt, wird Rike gezwungen zu handeln. Bildgewaltig erzählt Regisseur Wolfgang Fischer in STYX von einer starken Frau, die auf einem Segeltörn unvermittelt aus ihrer heilen Welt gerissen wird.

DIRECTOR´S STATEMENT
Täglich sterben Frieden suchende Menschen an den europäischen Außengrenzen bei dem Versuch, sich über den Seeweg auf unseren Kontinent zu retten. Die Konfrontation eines Sportbootes mit einem überladenen, havarierten Flüchtlingsschiff mitten im Ozean ist unter Seglern ein viel diskutiertes Horrorszenario, das immer häufiger Wirklichkeit wird.
Was passiert, wenn eine Einhandseglerin (eine Sportseglerin, allein an Bord einer Jacht) in diese Situation gerät? STYX geht dieser Frage fiktional nach und zeigt, angelehnt an reelle Vorfälle, wie dabei wirtschaftliche Interessen mit humanitären Grundsätzen konkurrieren, Überforderung Mitgefühl verdrängt und Desinteresse jede Hoffnung zerstören kann. Der Film behandelt den individuellen Traum vom Paradies und umkreist die zentrale Frage nach der Bestim-mung der eigenen Identität: Wer wollen wir sein, wer sind wir oder wer müssen wir sein? STYX ist ein Kammerspiel auf hoher See, das dokumentarisch-realistisch die Heldenreise der weiblichen Hauptfigur erzählt. Die Heldin verbringt die Hälfte des Films allein an Bord einer 11 Meter Jacht auf hoher See. Dementspre- chend spielen Dialoge mehrheitlich keine tragende Rolle. Vielmehr übernehmen die Geräusche und Ryth- men der überbordenden Natur Rikes Counterpart, unterbrochen und strukturiert durch das regelmäßige Fiepen technischer Geräte. Während der entscheidenden Wendepunkte herrscht völlige Stille. Der Film ist größtenteils unter reellen Bedingungen auf offenem Meer gedreht worden. Das Set begrenzt sich auf die tatsächliche, unveränderte Grundfläche einer 11 Meter Jacht. Ton und Geräusche sind original. Die Kamera hat durchwegs die Protagonistin im Fokus. Lediglich Anfang und Ende zeigen eine kontextuelle Verortung, in der die Hauptfigur verschwindender Teil eines sozialen Gefüges wird. In diesen Phasen wird Susanne Wolff schauspielerisch von Kollegen unterstützt, alle zusätzlichen Figuren spielen sich selbst: Polizisten, Feuerwehrleute und Militärs gehen auch im realen Leben diesen Berufen nach. In der zweiten Hälfte des Films ergänzt internationales Sprachengewirr die konstante Geräuschkulisse. Auch die Darsteller der Besatzung des havarierten Fischerbootes haben in der Realität ähnliches erlebt und sind über den Seeweg nach Malta geflüchtet. Der Film ist durchgehend linear erzählt und gliedert sich in drei Hauptphasen:
Phase 1 Wir beginnen in Köln auf sicherem Terrain. Die Heldin beherrscht die Szenerie. Sie kann ihre Fähigkeiten einsetzen und sich auf die unbedingte Hilfe aller Beteiligten, sowie auf den reibungslosen Ablauf der Siche- rungssysteme verlassen.
Phase 2 Mittlerweile ohne festen Boden unter den Füßen, ist die Heldin beim Segeln immer noch Herrin der Lage. Sie hat das Boot auch bei schwierigen Bedingungen unter Kontrolle. Sie steht auch mitten auf hoher See weiterhin über Funk in Verbindung mit ihrer Welt und kann mit deren Hilfsbereitschaft uneingeschränkt und jederzeit rechnen. Kleinere Hindernisse räumt sie selbst aus dem Weg.
Phase 3 Erst bei dem Zusammentreffen mit den Schiffsbrüchigen und der ausbleibenden Unterstützung durch Ande- re, verliert die Heldin sukzessive die Kontrolle über die Situation.
Die Hauptfigur ist eine selbstbestimmte, erfolgreiche Frau mit Lebenserfahrung und zudem eine passionierte Wassersportlerin. Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin, Susanne Wolff, vereint die zentralen Eigen- schaften der Hauptfigur in sich und ist selbst Blauwasserseglerin mit internationalen Segelschein.
Hauptdarsteller Gedion Odour Wekesa geht noch zur Schule. Er lebt mit seiner Familie in Kibera, einem Slum in Nairobi. Im Drama Department des Förderprogramms von ONE FINE DAY e.V. erhält er Schau- spielunterricht und hat sich für die Rolle des Kingsley unter 40 Jungen durchgesetzt. STYX ist sein Filmdebut.

Wolfgang Fischer
Geboren 1970 in Amstetten, Niederösterreich. 1990-95 Studium der Psychologie und Malerei an der Universität in Wien. 1994-96 Studium Film und Video an der Kunstakademie in Düsseldorf. Anschließend Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln im Bereich Film und Fernsehen bis 2001. Seit 1994 diverse Regieassistenzen, u.a. 1999 für Paul Morrisseys Kinofilm „The House of Klang“, sowie diverse Lehrtätigkeiten. Seit 1999 Regisseur beim WDR und bei Phoenix. „Was du nicht siehst“ war Wolfgang Fischers Spielfilmdebüt.

Susanne Wolf
Die in Bielefeld geborene Film- und Theaterschauspielerin Susanne Wolff absolvierte ihre Schauspielaus- bildung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Bereits während ihres Studiums spielte sie am Schauspiel Hannover in einer Inszenierung des Regisseurs Andreas Kriegenburg. Von 1998 bis 2009 gehörte sie zum festen Ensemble des Thalia Theaters Hamburg, wo sie u. a. in Arbeiten von Nico- las Stemann, Alize Zandwijk, Rafael Sanchez und Andreas Kriegenburg zu sehen war. Daneben spielte sie 2001 in Wien die Rolle der Alma Mahler in Alma – A Show Biz ans Ende (2001, Regie: Paulus Manker) sowie die Penthesilea bei den Salzburger Festspielen (2005). Von 2009 bis 2016 war Susanne Wolff festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater in Berlin. Sie arbeitete u. a. mit den Regisseuren Stephan Kimmig, Stefan Pucher, Armin Petras und Jette Steckel zusammen. Seit 2003 spielt Susanne Wolff auch Film- und Fernsehrollen. Ihre erste Regiearbeit legte sie 2016 am Schauspiel Frankfurt mit der Produktion Shoot / Katzelmacher / Repeat vor.