"Ein einfacher Unfall"



ORIGINALTITEL
IT WAS JUST AN ACCIDENT
LAUFZEIT
105 MINUTEN
JAHR
2025
ORIGINALSPRACHE
FARSI
PRODUKTIONSLÄNDER
IRAN
FRANKREICH
LUXEMBURG



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Ein einfacher Unfall, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, ist eine furchtlose Meisterleistung des Filmemachers Jafar Panahi – zugleich hochpolitisch und zutiefst menschlich. Mit unerbittlicher Klarheit stellt der Film moralische Fragen nach Wahrheit und Ungewissheit, Rache und Gnade.
Als der Automechaniker Vahid zufällig auf den Mann trifft, der ihn mutmaßlich im Gefängnis gefoltert hat, entführt er ihn, um Vergeltung zu üben. Doch der einzige Hinweis auf Eghbals Identität ist das unverkennbare Quietschen seiner Beinprothese. Auf der Suche nach Gewissheit wendet sich Vahid an einen zerstreuten Kreis anderer, inzwischen freigelassener Opfer. Doch je tiefer sie in ihre Vergangenheit eintauchen und je mehr ihre unterschiedlichen Weltanschauungen aufeinanderprallen, desto größer werden die Zweifel: Ist er es wirklich? Und was hieße Vergeltung
überhaupt?

Vor dem allgegenwärtigen Hintergrund des Autoritarismus verdichtet sich Ein einfacher Unfall zu einem fulminanten Akt des Widerstands – von einem iranischen Autorenfilmer, der aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, ungerechtfertigt inhaftiert zu sein. So fordert uns Frankreichs Beitrag in der Kategorie „Bester internationaler Film” bei den 98. Oscars® eindringlich dazu auf, die Grenze zwischen Recht und Unrecht neu auszuloten.




Jafar Panahi wurde 1960 in Mianeh im Iran geboren. Nach seinem Studium an der Iran Broadcasting University drehte er mehrere Kurzfilme, Dokumentarfilme und Fernsehfilme.
Später arbeitete er als Assistent von Abbas Kiarostami am Set von Quer durch den Olivenhain (1994). 1995 drehte er seinen ersten Spielfilm Der weiße Ballon, dessen Drehbuch er gemeinsam mit Abbas Kiarostami verfasste. Der Film wurde für die Directors’ Fortnight in Cannes ausgewählt und dort mit der Caméra d’Or ausgezeichnet.
Es folgte The Mirror, der 1997 beim Filmfestival in Locarno im Wettbewerb lief und den Goldenen Leoparden gewann. Drei Jahre später sorgte Der Kreis bei den Filmfestspielen in Venedig für Aufsehen und gewann sowohl den Goldenen Löwen als auch den FIPRESCI-Preis. Der Film befasste sich unerschrocken mit der Situation der Frauen im Iran und bewegte das Publikum weltweit zutiefst. Dennoch wurde er in seinem Heimatland verboten.
2003 kehrte Panahi mit Crimson Gold - Blutrotes Gold nach Cannes zurück, wo der Film in die offizielle Auswahl kam. Dieser dramatische Thriller wurde in der Reihe Un Certain Regard gezeigt und gewann den Preis der Jury. Ursprünglich war Crimson Gold - Blutrotes Gold ausgewählt worden, um den Iran bei den Oscars in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ zu vertreten. Der Film wurde jedoch schließlich von den Behörden verboten und durfte
nicht in iranischen Kinos gezeigt werden.
Mit Offside wandte sich Panahi erneut den Frauenrechten im Iran zu. Der Film wurde 2006 auf der Berlinale präsentiert und erhielt den Silbernen Bären für die beste Regie. Er erzählt die Geschichte junger iranischer Frauen, die sich den Behörden widersetzen und heimlich ein Fußballspiel besuchen. Auch Offside wurde im Iran nicht zur Veröffentlichung freigegeben.
Im Juli 2009 wurde Panahi erstmals verhaftet, nachdem er an einer Gedenkfeier für eine junge Demonstrantin teilgenommen hatte, die bei Protesten nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad ums Leben gekommen war. Einige Monate später wurde ihm die Teilnahme an der Berlinale verweigert. Am 1. März 2010 wurde er zum zweiten Mal verhaftet und verbrachte 86 Tage im Evin-Gefängnis, bevor er am 25. Mai gegen Kaution
freigelassen wurde. Er wurde in die Jury von Cannes eingeladen, doch sein Stuhl blieb während des gesamten Festivals symbolisch leer. Weltweit erhielt er breite Unterstützung von Künstler:innen und Filmemacher:innen.
Im Jahr 2010 wurde Panahi zu einem 20-jährigen Berufsverbot verurteilt. Er durfte keine Filme mehr drehen, keine Drehbücher mehr schreiben, keine Interviews mehr geben und den Iran nicht mehr verlassen. Andernfalls drohte ihm eine sechsjährige Haftstrafe. Dieses Urteil wurde
im Herbst 2011 in einem Berufungsverfahren bestätigt. Trotz dieser Restriktionen drehte er gemeinsam mit Mojtaba Mirtahmasb den Film Dies ist kein
Film, der vollständig in seiner Wohnung entstand und seinen Alltag als Künstler zeigt, dem es verboten ist, zu arbeiten. Dies ist kein Film wurde im Mai 2011 außerhalb des Wettbewerbs bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt.
Im Jahr 2012 wurde Panahi vom Europäischen Parlament mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet. Seine Tochter nahm den Preis in seinem Namen entgegen, da er nicht an der Zeremonie teilnehmen durfte. Im selben Jahr drehte Panahi heimlich gemeinsam mit Kambuzia Partovi einen neuen Film mit dem Titel Closed Curtain, der 2013 auf der Berlinale den Silbernen Bären für das beste Drehbuch gewann.

Im Februar 2015 feierte er mit Taxi Teheran auf der Berlinale Premiere. Es war der erste Film, den er seit 2010 allein und öffentlich gedreht hatte. Taxi Teheran wurde weltweit von der Kritik gefeiert und überzeugte auch die Jury unter dem Vorsitz des amerikanischen Filmemachers Darren Aronofsky. Der Film erhielt den Goldenen Bären sowie den FIPRESCI-Preis. Er wurde in über 30 Ländern vertrieben. Zwei Monate später brachte Memento Films ihn in die französischen Kinos, wo er sich mit über 600.000 Zuschauern schnell zu einem kulturellen Phänomen entwickelte. Nach Asghar Farhadis Nader und Simin – Eine Trennung ist er nach wie vor der zweitumsatzstärkste iranische Film in Frankreich.
2017 begann Panahi mit den Dreharbeiten zu 3 Faces, die ihn von Teheran in den Nordwesten des Iran führten. Der Film wurde im Mai 2018 in Cannes gezeigt und gewann dort den Preis für das beste Drehbuch.
Jafar Panahi wurde am 11. Juli 2022 verhaftet und erst nach einem Hungerstreik am 3. Februar 2023 wieder freigelassen.
2022 ist auch das Jahr, in dem er für No Bears den Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Venedig erhielt.
2025 kehrte er mit Ein einfacher Unfall in den Wettbewerb von Cannes zurück.
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